Streit um Gaspreise – EON und Gazprom gehen vor Schiedsgericht

Die beiden Energiekonzerne Eon und Gazprom stehen sich in einem Streit um die Höhe der Gaspreise feindlich gegenüber. Zwischen der Eon Tochter Eon Ruhrgas und Gazprom bestehen seit Jahren langfristige Verträge. Eon Ruhrgas möchte die festgelegten Preise der derzeitigen Preissituation anpassen. Gazprom besteht auf Einhaltung der Verträge. Nun hat sich Eon Ruhrgas an ein Schiedsgericht gewandt. In den Verträgen der beiden Gasriesen ist das ausdrücklich vorgesehen.
Die Anrufung eines Schiedsgericht soll aber nicht dazu führen, dass die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen eingestellt werden. Beide Seiten sprechen davon, weiter zu verhandeln.

Für Eons Vorgehen spricht, dass Gazprom ein verwandtes Gerichtsverfahren in Italien verloren hat.
Im Streit mit dem italienischen Gaskonzern Edison hatte der russische Gaskonzern vor der Urteilsverkündung eingelenkt.

Der Streit um billigere Gaspreise hat seinen Hintergrund in der Tatsache, das die Preispolitik für Gas in Russland an den Ölpreis gekoppelt ist. In Europa hat sich in den letzten Jahren eine neue Kultur von Gasbörsen entwickelt. Die europäischen Gaskonzerne wollen eine Preisgestaltung über diese Gasbörsen anstreben. Die Gasbörsen bilden die Gaspreise nach Angebot und Nachfrage aus. Und das Angebot von Gas ist gestiegen. Das liegt an neuen Technologien wie Flüssiggas, die zu einer Gasschwemme auf dem europäischen Gasmarkt führten. Zwischen den Preisen, die Gazprom will und denen die die Börsen verlangen, liegen Abgründe. Fachleute schätzen das die Preise von Gazprom bis zu dreißig Prozent höher liegen als die Börsenpreise.

Würde es Eon gelingen, die Preisbindung von Gazprom vor dem Schiedsgericht zu durchbrechen und die Preise wie an den Börsen gestalten, könnten Eon diese Ersparnis an die Kunden weitergeben. Für den Kunden bedeutet dass, das er Gaspreise berechnen muss, die ihm Einsparungen einbringen. Durch den Gasanbieter Vergleich auf regionalen Märkten kann er vielleicht sogar die Ersparnis steigern.

Fast fünfundzwanzig Prozent seiner Gaseinkäufe deckt Eon durch Käufe in Russland bei Gazprom. Die Verträge zwischen Gazprom und Eon sind erst 2031 abgelaufen. Solange wird Eon jährlich zwanzig Milliarden Kubikmeter Gas kaufen. Auf den Gashändler wächst der Druck, die durch die Börsen bestimmten niedrigere Preise, an den Gasabnehmer weiterzugeben. Eon Ruhrgas erwartet durch Preissenkungen hervorgerufene Verluste. Um diese Verluste auszugleichen muss Eon sparen. Das bedeutet, dass der Energiekonzern Mitarbeiter entlassen wird.
Gazprom plant einen Einstieg bei Eon oder der Konzerntochter Eon Ruhrgas. Eon hat seit 2008 schwere Einbußen bei seinem Marktwert hinnehmen müssen. Ein Einstieg, der keine Übernahme sein darf, findet die Zustimmung von Politikern und Experten. Durch den Atomausstieg werden Gaslieferungen aus Russland steigen.

Tags: , , , , , ,